HAI - News - Portrait von Jawed Rezai
07.06.2018

Portrait von Jawed Rezai

Jawed Rezai! Wenn man ihn kennenlernt, würde man nicht meinen, dass der 24-jährige gebürtige Afghane, mit seiner Lebensgeschichte bereits ein Buch füllen könnte.

Im Iran sei er geboren, erzählt er. Weil sich seine Familie aufgrund der politischen Situation in den 90er Jahren in Afghanistan nicht mehr sicher fühlte, flüchtete sie in den Iran. Flüchtlinge waren dort illegal, so ist er nicht einmal im Besitz einer Geburtsurkunde, geschweige denn, dass er eine Schule besuchen hat dürfen.

Da die Situation auch im Iran unerträglich ist, flüchtet er mit 13 Jahren mit zwei seiner Schwestern und der Mutter zurück nach Afghanistan. Aus Angst bleibt er nicht lange dort und flüchtet 2011 nach Pakistan, dann nach Syrien und in die Türkei. Zu Fuß über die Berge und mit Schleppern schafft er es in 6 Monaten nach Istanbul. Wie Viele gelangt er mit großem Glück in einem Schlauchboot nach Griechenland und von dort in eine Flüchtlingshochburg, wo Menschen wie er geduldet werden.

9 Monate dauert es bis ein Schlepper ihn endlich in einem LKW zwischen Kartons versteckt aus Griechenland rausschafft. Jawed kostet das „Abenteuer“ 2000 € und er weiß nicht wohin und wie weit die Reise geht. Österreich ist das Ziel des LKW’s, Traiskirchen vorerst die Endstation von Jawed.

Bis er den Asylbescheid bekommt vergehen 2 Jahre, dann endlich darf er sich 2015 eine Arbeit suchen und für sich selber sorgen. Bei der Firma HAI in Ranshofen bekommt er eine Anstellung in der Produktion. Er ist interessiert und lernwillig und lernt viel über Metallverarbeitung. Über die Arbeit sagt er, dass sie abwechslungsreich ist, da das Unternehmen sehr viele verschiedene Aufträge auszuführen hat und somit kein Tag dem anderen gleicht. Oft ist es auch anstrengend, wenn Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen und auch deren Arbeit mitzumachen ist. Aber es gibt nichts Schöneres als einen fixen Arbeitsplatz in einem sicheren Land zu haben. Es gefällt ihm, dass er die Möglichkeit hat sich weiterzubilden. Seit fast 1 ½ Jahren ermöglicht ihm sein Arbeitgeber den Besuch eines Deutschkurses und er freut sich auf den bevorstehenden Staplerkurs.

Hört man diese Geschichte, dann mögen die Vorstellungen dieses Menschen sehr unterschiedlich sein. Ich bin erstaunt wie gut seine Manieren sind, sein angenehmes, gepflegtes Auftreten, ich bin erstaunt, dass man ohne Schulbildung mit 20 noch so gut schreiben und lesen lernen und eine fremde Sprache so schnell und gut sprechen kann. Er selber sagt, dass er immer viel gelernt hat und es an jedem selbst liegt, was man aus Chancen macht. Deshalb ist er wohl auch so zufrieden mit seiner Situation. Spannend finde ich auch, wie seine rumänischen und irakischen Kollegen mit offenem Mund zuhören. Seite an Seite arbeiten sie seit 2 Jahren mit dem Flüchtling und wussten nichts über seine bewegende Lebensgeschichte.

Annemarie Humer, Alu-Stiftung